Wahlen vom 27.11.2011

Christoph Blocher gescheitert

SVP-Aushängeschild Christoph Blocher ist beim zweiten Wahlgang in den Ständerat gescheitert. Mit 123'939 Stimmen unterlag er Felix Gutzweiler (FDP, 239'005 Stimmen) und Verena diener (GLP, 214'436 Stimmen) klar.

SVP Uster, 27. November 2011

 

Anita Borer auf Weg nach Bern gestolpert – aber nicht am Boden

Die Ustermerin Anita Borer (25) ist auf dem Weg nach Bern gestolpert – aber nicht am Boden. Den Einzug in den Nationalrat hat die SVP-Politikerin nicht geschafft. Noch nicht?

Anita BorerAuf dem zweiten Platz der SVP-Liste ist Anita Borer vielversprechend in die Nationalratwahlen vom 23. Oktober gestartet. Bei den Wahlen wurde sie mit 117867 Stimmen auf den 17. Platz durchgereicht. Für den sofortigen Einsatz ins nationale Parlament fehlten ihr 3619 Stimmen. In jeder anderen Partei hätten die erreichten Stimmen zum problemlosen Einzug in den Nationalrat gereicht – nur eben nicht in der stärksten nationalen Partei, der SVP.

Am Morgen nach der Wahl gibt sich die aufstrebende Ustermer Politikerin «doch etwas enttäuscht». Von einer Ohrfeige oder einer Blamage, wie sie Medien und politische Gegnerschaften wahrhaben wollten, will sie aber nicht reden: «Obwohl ich in einer optimalen Ausgangslage in die Wahlen gestiegen bin, habe ich nicht fest mit Wahl in den Nationalrat gerechnet. Ich habe stets gewusst, dass es mir eventuell nicht reichen wird. So bin ich zwar enttäuscht, aber nicht am Boden zerstört.» Und Borer hält fest, dass die den Wahlen durchaus auch eine wichtige positive Seite abgewinnen könne. Es sei eine gute Erfahrung gewesen, einen solchen Wahlkampf bestreiten zu dürfen. Davon könne sie während ihrer politischen Laufbahn, wohin sie auch führen möge, profitieren. Noch will sie gar nicht daran denken, ob sie in vier Jahren wieder in den Nationalratskampf steigen will. Das werde die Zeit zeigen. Im Vordergrund stünden nun anstehende Aufgaben und die persönliche (politische) Entwicklung.

Erste Gründe des Scheiterns

Für eine eingehende Analyse des doch etwas enttäuschenden Resultates, erklärt Borer, sei es zu früh. Dennoch liessen sich bereits wenige Punkte ausmachen, «welche mich auf den 17. Platz zurückfallen liessen». In erster Linie seien das die durchwegs «starken und äusserst gut ausgewiesenen Kandidatinnen und Kandidaten» der SVP gewesen. Zudem, so Borer, hätte ihr der Bekanntheitsgrad in breiten Teilen der Bevölkerung gefehlt, um auf Anhieb den Sprung in den Nationalrat zu schaffen. Zum ersten Mal habe man von ihr auch über die Region hinaus gesprochen als sie den Einzug in den Kantonsrat – und das sei ein toller Erfolg – geschafft habe und von der Parteileitung auf den 2. Platz der SVP-Nationalratsliste im Kanton Zürich gesetzt worden sei. Das sei doch etwas zuwenig gewesen, um die nötige Bekanntheit zu erringen. Und Borer nennt gleich noch einen Grund, warum es «nicht gereicht hat, dass ich in den Nationalrat einziehen konnte.» Sie habe sich über zuwenig Erfahrung in der parlamentarischen Arbeit ausweisen können, sei das im Kantons- oder Gemeinderat. Es sei nun an ihr dieses Manko auszumerzen. Zudem ist die Ustermerin überzeugt, «haben uns auch Parteien, allen voran die BDP, Stimmen genommen.» Nun müssen sie sich mit politischen Leistungen beweisen.

«Langweilig» wird es der Ustermerin nicht werden, wie sie festhält. Sie habe in der nächsten Zeit viele wichtige Aufgaben zu erfüllen. In erster Linie denke sie da an den Ustermer Gemeinderat und an den Kantonsrat. Zudem sei sie noch immer Präsidentin der Jungen SVP des Kantons, in der sie wichtige Herausforderungen zu meistern habe.

Dank an Parteifreunde

Ungeheuer dankbar ist Borer ihren Parteifreunden, welche sie während den Wahlen in jeder nur erdenklichen Art und Lage unterstützt hätten. Dafür wird sie sich erkenntlich zeigen: Derzeit ist sie daran, eine Einladung für die Ustermer SVPler zu schreiben. Für ihre Mithilfe während dem Wahlkampf werden sie am 18. November in der Reitsportanlage Buchholz ins Restaurant Cavalleria eingeladen.

Parteipräsidenten ahnte Nichtwahl

Usters SVP-Präsident und Stadtrat Werner Egli hält fest: «Ich hätte ihr den Sprung ins Parlament gegönnt. Aber es war insgeheim zu befürchten, dass es Anita nicht schafft.» Dazu beigetragen habe sicherlich, dass sie während dem Wahlkampf schlecht begleitet worden sei. Bei der Wahlkampfstrategie hätten die klaren Schwerpunkte gefehlt. So hätte die mangelnde Parlamentserfahrung vielleicht aufgefangen werden können. Jetzt stellt Egli fest: «Das Abschneiden der Jungpolitikerin ist aber auch ein Schlag ins Gesicht der Wahlkommission, die Borer auf den 2. Platz gesetzt hat.» Dass Borer dieses Geschenk angenommen hat, kritisiert Usters SVP-Präsident nicht: «Taktisch war es eventuell nicht geschickt, aber Anita musste diese einmalige Chance wahrnehmen.» Egli glaubt, dass die Taktik der SVP dennoch aufgegangen sein könnte. Durch die vordere Platzierung von Borer seien deren Mitkonkurrentinnen und Mitkonkurrenten gezwungen gewesen, sich mit aller Kraft in den Wahlkampf zu stürzen. Es sei für sie Motivation gewesen «alles zu geben». Und davon habe wiederum die gesamte SVP profitiert.

Silvio Seiler, 24. Oktober 2011

Beitritt zur SVP Uster