|
"Würdige Rütli-Feier"
Ausgabe vom 4. August
Wie niedlich, anzuhören, dass auch Barbara Marty Kälin zusammen mit ihrer
Partei- kollegin Karin Maeder-Zuberbühler am 1. August auf das Rütli
gepilgert ist und sich die beiden Damen unter ihresgleichen erst noch
pudelwohl gefühlt haben. Das im AvU/ZO publizierte herzige und allerliebste
Erlebnisberichtlein von Frau Marty deckt sich ver- blüffend – welch ein
Volltreffer! – auffallend übereinstimmend mit den landauf-landab unzählig
verbreiteten und schön färberischen Medien-Kommentaren. Voraussichtlich
wird die lautstarke Inszenierung des Rütli-Auftritts von Frau Calmy-Rey und
ihrem Gefolge der Gesamtlinken für das Zelebrieren ihrer
Selbstbeweihräucherung bis lange über den bevorstehenden Wahltermin hinaus
immer wieder neuen Auftrieb verleihen.
Es ist schon seltsam, um nicht zu sagen höchst penetrant, wie die Linke so
plötzlich im krampfhaften Gewühle um Wahlkampfthemen fündig geworden ist
und sie auf einmal in einer noch nie da gewesenen Selbstverständlichkeit so
tut, als habe sie einerseits ver- eint mit Friedrich Schiller das
Rütligeschehen selbst erlebt, und sei sie beispielsweise andererseits
schon längst entschieden für griffige Massnahmen gegen die von ihr
mit- eingebrockte und heute grassierende Jugendkriminalität eingetreten.
In Tat und Wahrheit indessen hat doch namentlich die SP in den letzten
Jahrzehnten wirklich keine Gelegenheit versäumt, Heimatliebe und die damit
einhergehende Verb- undenheit der SchweizerbürgerInnen zu traditionellen
Werten und Gepflogenheiten der Lächerlichkeit preiszugeben. Und jetzt vor
den Wahlen kommt ihr in den Sinn, ihr Parteiprogramm unvermittelt dem
gesunden Menschenverstand anzupassen und die unmissverständlichen
Bekenntnisse und Forderungen, wie sie übrigens die SVP seit jeher
unablässig und klar postuliert, einfach plump und billig nachzuplappern.
Denn allgemein ist aufgefallen, dass die SP noch nie so viele
BundesfeierrednerInnen ausgesandt hat wie ausgerechnet im Wahljahr. Diese
haben denn auch alles daran gesetzt, – wenn auch reichlich gekünstelt und
verquält – sich patriotisch zu verkaufen, ohne dabei selbstverständlich ihr
Hauptanliegen zu verpassen, Parteiparolen bis zum Gehtnichtmehr
wiederzukäuen. Das ist sehr verdächtig und nichts anderes als billiger
Polit-Populismus. Ob eine bislang unentschlossene Wählerschaft wohl auf
ein solches Theater hereinfällt?
Die Gefahr ist gross, denn solange auch bürgerlich denkende
Vorzeigepolitiker dazu neigen, dem eigennützigen Treiben von Frau Calmy-Rey
und dem wirklich ominösen Patriotismusverständnis der SP zu huldigen, das
heisst, immer öfters angesehene ParlamentarierInnen von FdP und SVP den
GenossInnen permanent willfährig zuzudienen bereit sind, vermag die Rechte
die Wahlen kaum gewinnen.
Heinz Sommer, Uster
|